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Bettina Prestel - Täschnerin für Tand & Tascherl

Der erste Blick im Arbeitszimmer von Bettina Prestel fällt auf etwas, das ausschaut, als wäre es ein Kunstwerk: Bunte Rollen, viele Fäden, manche ein bisserl schief gewickelt, andre stramm festgezurrt. Aber es ist keine Kunst.
Es ist die Wandtafel mit Garnrollen, die Bettina Prestel für ihre Arbeit braucht. Gegenüber hängen dicke schwarze Platten. Das sind die Schablonen, die sie für den Schnitt ihrer Filztaschen benötigt. Zwei Nähmaschinen stehen auf den Tischen. Während sich der Besucher noch wundert, wie aus diesen Utensilien eine Tasche werden soll, hat sie im Nebenraum bereits mehrere große Schubladen geöffnet. Sie wühlt in der Tiefe und holt wunderbare Stoffe hervor. Karo in Beere, in Apfelgrün in Bordeaux oder mit Disteln im Muster. Bunt, fröhlich und ein bisschen so, wie die junge Frau, die aus diesen vielen Metern Stoff und großen Rollen Filz nützliche und schöne Dinge herstellt. Bettina Prestel lebt seit vielen Jahren nun am Tegernsee. Dabei kam sie damals nur, um eben mal zu schauen, wie es hier ist. Sie lacht fröhlich und fügt an: „Eigentlich wollte ich die Welt bereisen. Dann bin ich geblieben und nun will ich auch auf keinen Fall mehr weg.“ Der Tegernsee und das Bayrische ist ihre Heimat geworden. Ursprünglich kommt sie aus Thüringen. „Aber wir lebten so nah hinter dem Eisernen Vorhang, dass wir eigentlich noch bayrisch waren“, erklärt sie. „Mein Dialekt ist das Fränkische.“ Man hört es nicht mehr, ihre Sprache ist schon recht oberbayrisch geworden. Quasi die Mitgift war ein Erbe ihrer Großeltern: Der Großvater war Raumausstatter, die Großmutter Schneiderin, beide brachten ihr schon als Kind den Umgang mit Nadel und Faden, mit Filz und Stickmaschine bei. „Irgendwie habe ich dieses Handwerk in den Genen“, lächelt sie und lässt sich gar nicht weiter von ihren Stoffen ablenken. Es gibt verschiedene Taschengrößen, der Kunde kann sich alle Sondermaße wünschen. Gefragt sind zurzeit vor allem die Kosmetiktaschen mit SeelaubMuster sowie Armsafes und »Plaudertaschen«. Das eine ist eine Geldbörse, die sich ums Handgelenk knöpfen lässt, das andere ein Etui für Handy und Smartphone. Bis die erste Tasche entwickelt war, dauerte es fast ein Jahr. Sie probierte verschiedene Filz-Hersteller aus, testete unterschiedliche Lieferanten. Es waren Freunde und Bekannte, die sie ermunterten, doch mehr aus ihrem Talent zu machen. Sie wollten Handtaschen aus Filz mit leichtem Trachtendesign. Oder eine Tasche für den Alltag, die einfach, aber etwas Besonderes sein sollte. Also nahm sie statt Knöpfen Kronkorken. Edle. Vom Herzoglich Bayerischen Brauhaus Tegernsee und von der Ayinger Brauerei. Das führte schon mal zu lustigen Anrufen. Eine Österreicherin meldete sich und wollte eine Tasche mit diesen wunderbar silbernen Knöpfen. Es dauerte, bis Bettina Prestel und die Dame am Telefon herausfanden, von was sie beide sprachen. „Was mir am meisten Spaß macht?“, fragt Bettina Prestel zurück. Sie sinniert ein wenig, was es sein könnte. Freilich, die Kreativität ist gefordert und die Arbeit mit den Händen. Dann zieht ein freches Schmunzeln über ihr Gesicht. „Ich mag am meisten die Männer.“ Das nun ist eine Antwort, die man bei einer Handtaschenmacherin wohl nicht gleich erwartet. „Doch, doch“, schiebt sie hinterher. „Es ist wirklich zauberhaft, wie manche Männer sind. Die geben sich unglaublich viel Mühe, um für ihre Frau die beste und schönste Tasche zu bekommen.“ Meistens waren die Herren mit ihren Damen zuvor bei einem Markt, auf dem Bettina Prestel ausstellt. Und dann rufen sie hinterher bei ihr an. „ ‚Sie, ich würd meiner Frau gern eine Tasche schenken. Wir hatten da eine gesehen, eher eckig mit Henkel ...’, kommt dann“, Bettina lacht sehr herzlich. „Und dann muss ich die Herren fragen, ja hellgrau oder dunkelgrau, mit Außentasche oder mit Innentasche oder … letztens hat einer nach fünf Telefonaten irgendwann gesagt, es solle einfach die Schönste sein, halt so wie seine Frau.“ Die Dame war dann sehr glücklich über ihr Präsent, sie ahnte wohl, wieviel Herzblut dahinter steckte, sowohl bei ihrem Mann, als auch bei der Filz-Täschnerin.

Und das ist wohl eines der besten Komplimente, die Handtaschen erhalten können.

Bettina Prestels Tascherl erhalten Sie in den Tegernsee Arkaden oder bei Handsiebdruck Gistl in Gmund/Gasse. Die Website www.herzbluad.eu informiert Sie auch über die Märkte, wo Bettina Prestel mit ihrem Standerl vor Ort ist.

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