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GUIDO MARIA KRETSCHMER - VOM PROVINZLING ZUM SUPERSTAR

Von Katja Meenen

An dieser Stelle erwartet Sie immer das Portrait einer Person vom Niederrhein, die über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist. Da viele unserer Leser aus dem Raum Bocholt kommen, was trotz vermeintlicher Nähe nicht zur Region „Niederrhein“ gehört, sondern zum westlichen Münsterland zählt, ist unser Portrait dieses Mal von dort. Schwergefallen ist uns die Ausnahme aber nicht, denn wir haben einen wirklich interessanten und sehr sympathischen Prominenten gefunden, den wir Ihnen vorstellen.

Das Münsterland, konkret Münster, hat einiges an Prominenten zu bieten: Die Schauspielerin Franka Potente, Sängerin und Schauspielerin Ute Lemper, Musiker, Sänger, Entertainer und TV-Moderator Götz Alsmann, eines der bekanntesten deutschen Fernsehgesichter Günter Jauch, der erfolgreichste Dressur-Reiter der Welt, Reiner Klimke, und auch der Modedesigner Guido Maria Kretschmer haben alle in Münster das Licht der Welt erblickt. Sie alle sind „so richtig“ berühmt, und wir stellen Ihnen den vor, der zwischen Münster, Mallorca und Berlin und hin und her jettet – gestatten: Guido Maria Kretschmer.

Der 1965 geborene Designer ist mit Herz und Seele bei der Sache und liebt seinen Beruf über alles. Er war erst 9 Jahre, als er die Nähmaschine seiner Mutter gesehen und gehört hat und sie sofort ausprobieren wollte. Von diesem Moment an war es um ihn geschehen, und das Rattern der Nähmaschine beruhigt ihn übrigens noch heute. Er mag die vielseitigen Texturen von Textilien; sie zu beVOM PROVINZLING ZUM SUPERSTAR PORTRAIT rühren und etwas Neues zu schneidern, findet er wunderbar. Seine Familie hat ihn von Beginn an immer unterstützt und motiviert – das hat ihm Selbstvertrauen gegeben. Klar, waren seine ersten Stücke alles andere als perfekt, aber Mama hat alles brav getragen… 

Einige Jahre nach der Liebe auf den 1. Blick mit Mama‘s Nähmaschine und nach 2 „aus Versehen“ Semestern Medizinstudium begann Guido seine Designer-Karriere. „Entdeckt“ wurde er auf Ibiza übrigens von Musiker Udo Lindenberg, als er einen kleinen Stand mit selbstgenähten Teilen auf dem Hippiemarkt dort hatte. Udo gefielen seine Stücke und er orderte für seine damalige Tournee Brokatjacken bei Guido. 

Im Jahr 1987 gewann er seine erste große Ausschreibung und gründete das Unternehmen „GMK by pepper“ mit Hauptsitz in Münster und Palma sowie das Modelabel „Guido Maria Kretschmer Corporate Fashion“. Mit zunächst 3 Mitarbeitern arbeitete er hauptsächlich als Modedesigner für Unternehmen. Sein erster Großauftrag war es, Uniformen für die Crews der Fluggesellschaft Hapag Lloyd zu kreieren. Es folgten Aufträge für die Unternehmenskleidung der Deutschen Telekom, die Hotels Kempinski und Maritim, Montblanc und Emirates Airlines. Auch für den Touristikkonzern TUI produzierte er Anzüge.

Ab 2004 etablierte er sich als erfolgreicher Designer in Deutschland, präsentierte 2005 erstmals auf der Berliner Fashion Week und wurde von der Presse „der deutsche Valentino“ getauft. Heute ist ihm internationale Beachtung und Wertschätzung bei jeder seiner Kollektionen und Fashion-Shows sicher. 

Die Arbeiten von Guido sind individuell, aufregend und stil - sicher; seine Vielfältigkeit findet sich in 2 unterschiedlichen Linien wieder: Für seine Premium Kollektion „Guido Maria Kretschmer Berlin“ entwirft er hochwertige Cocktail- und glamouröse Abendkleider, während sich die „Guido Maria Kretschmer Collection – by OTTO“ vornehmlich auf Readyto-Wear- und erschwingliche Anlass-Mode konzentriert. Die Liste mit Namen der Promis und Stars, die sich gerne in „Guido Maria Kretschmer Berlin“ auf den roten Teppichen der Welt zeigen ist lang: von Charlize Theron, Alexandra Maria Lara, Christine Neubauer, Barbara Schöneberger oder Jane Seymour, Patricia Kaas, Iris Berben, Martina Ge - deck, Jasmin Wagner bis hin zu Goldie Hawn oder Topmo - del Karolína Kurková. 

Was viele gar nicht wissen: Nachdem die Schauspielerin Katharina Thalbach Guido Maria Kretschmer für ein OscarWilde-Stück Bühnengarderobe entwerfen ließ, war er zudem als Kostümbildner für diverse Theater- und Filmproduktionen tätig. 

Von Deutschlands Bildschirmen ist Guido inzwischen auch nicht mehr wegzudenken: 2012 ging bei VOX die StylingDoku „Shopping Queen“ und „Promi Shopping Queen“ an den Start, in der er als kompetenter und liebenswer - ter Styling-Kritiker zu sehen ist. Die Sendung entwickelte sich – vor allem dank Kretschmers sympathisch ehrlicher Art – zu einem Kultformat im deutschen Fernsehen und gehörte zu den erfolgreichsten Daily TV-Formaten. 2013 und 2014 war Guido neben Dieter Bohlen, Bruce Darnell und Lena Gercke in der Show „Das Supertalent“ Teil der Jury. Neben Bohlen war auch er ein großer Fan der „nie - derrheinischen Italiener“, der Filieri Brüder Lino und Enri - co, die es 2014 bis ins Finale der Show geschafft hatten. Über die beiden gab es einen Bericht in unserem gelben Trendguide Niederrhein, außerdem hatten sie einen Auf - tritt bei unserer Launchparty 2015. 

Im Frühjahr 2017 gab es erstmals Guidos neuen Personality-Talk „Fremde Freunde – Die unerwartete Begegnung“, bei der 3 Prominente mit Guido in einem Landhaus zusammenkommen, die sich vorher noch nie begegnet sind, alle über Nacht bleiben und gemeinsam mit Guido auf eine Reise durch ihr Leben und zurück bis in ihre früheste Kindheit gehen.

FAMILY AFFAIRS

Guido Maria Kretschmer ist also nicht nur der deutsche Valentino, sondern auch der Sunnyboy des deutschen Fernsehens. Die liebenswerte Art des Modedesigners kommt nicht von ungefähr. Sie wurde ihm quasi in die Wiege gelegt, wie er am Beispiel einiger netter Episoden aus dem Leben seiner Familie einmal in der Sendung von Markus Lanz erzählte. Eine davon schildert, wie seine Eltern eine Prostituierte zu sich eingeladen und sich um sie gekümmert haben. Die Dame sollte im Bordell des Nachbardorfes arbeiten, war aber an der Bushaltestelle vor dem Hause Kretschmer ‚gestrandet’. „Meine Mutter lud die Frau zu Kaffee und Kuchen ein und wusch ihre Sachen. Dann fuhren meine Eltern sie zum Puff und gaben ihr noch Ratschlä- ge wie ‚Machen Sie bloß nicht alles’, erzählte der Designer. Apropos Familie: Guido hat 4 Geschwister – 3 Brüder und 1 Schwester, über die er sagt, es seien alle kreative, emotionale und liebe Menschen. Seine Schwester Gudrun habe namensmäßig ein bisschen Pech gehabt, sei aber sehr humorvoll und charmant. 

GUIDO UND DIE FRAUEN

Zweifelsohne gehört Guido zu Deutschlands Lieblings-Promis. Insbesondere die Frauen lieben ihn, doch seit über 30 Jahren ist Kretschmer mit dem Künstler Frank Mutters liiert. 

Seit 2012 sind die beiden, die gemeinsam mit ihren 4 Barsoi-Hündinnen in Berlin leben, auch verheiratet. Im Mai 2017 waren der inzwischen 52-jährige Guido und der 10 Jahre ältere Künstler Frank Mutters übrigens gemeinsam in der Sendung „The Story of my Life“ zu sehen, wo sie außergewöhnlich offen und ehrlich mit Désirée Nosbusch über ihr gemeinsames Leben und ihre Liebe sprachen. Als Guido damals merkte, dass er Männer liebt, empfand er das als großes Gefühl von Glück, so sagte er einmal in einem Interview. Zuvor habe er es aber tatsächlich auch mal mit einer Frau ausprobiert: „Mein erstes Mal war gleich ein Dreier. Mit einem netten Jungen und einem Mädchen. Ich war 16, sie älter. Sie hat uns erotische Literatur auf Französisch vorgelesen und uns dadurch irgendwie wild gemacht“, so der Designer. Und weiter: „Der Junge ist heute auch schwul, das Mädchen lesbisch. Wir müssen wohl so schlecht gewesen sein, dass sie danach nie wieder was mit einem Typen hatte. Und ich dachte auch: Ach, das ist nicht so mein Business, ich ziehe Frauen lieber an als aus.“ Auf die sich in diesem Zusammenhang passende Frage ob es einen Prominenten gebe, den er gerne einmal einkleiden würde, sagt er: „Ach, wisst Ihr, ich habe schon so viele Leute eingekleidet“ – überlegt – „und ich habe mehr prominente Frauen in Wäsche gesehen, als irgendein anderer, da gibt es keine Wünsche und Ideen mehr…“

Literarisch war der charmante Modedesigner übrigens auch schon erfolgreich: sein Styling-Ratgeber „Anziehungskraft – Stil kennt keine Größe“ erschien 2013 und kam in der Spiegel-Bestseller-Liste auf Platz 1. Im Jahr darauf folgte „Eine Bluse macht noch keinen Sommer: Geschichten aus dem Kleiderschrank“, in dem er in gewohnt flotter Manier nette Anekdoten mit der Vermittlung von Mode-Basics verbindet. Mittlerweile widmet Guido sich neben seinen Fashion-Kollektionen u. a. auch dem Entwerfen und Designen von sogenannten Living-Kollektionen (Möbel & Accessoires für zu Hause). Auf die Frage, ob es für ihn Gemeinsamkeiten bei der Entwicklung von Fashion und Interior-Designs gebe, antwortet er mit einem klaren „ja“. Farben und Formen wä- ren in beiden Bereichen sehr wichtig und man frage sich eigentlich ja immer, was man wie kombinieren könne. Bei Guido mit seinem Mann Frank Mutters, mit dem er seit über 30 Jahren liiert ist Spiegel-Bestseller Platz 2 PORTRAIT 15 der Mode sei die Passform das A und O, sprich: die Figur gibt den Ton an, und die Kleidung soll diese vorteilhaft unterstreichen. Beim Interieur ist der Raum die wichtige Konstante. Auch hier gebe es Proportionen zu berücksichtigen, aber es gebe wesentlich mehr einzelne Faktoren, wie Raumgröße, Wandfarbe, Möbel, Accessoires usw., die für die Raumgestaltung zählen. Seinen privaten EinrichtungsStil würde er am ehesten als „persönlich“ beschreiben. Ihm selbst ist es wichtig, schöne Fund- und Erinnerungsstü- cke in den eigenen 4 Wänden zu integrieren – Stücke, die Geschichten erzählen. 

Auf die Frage nach der Inspiration für seine enorme Schaffenskraft antwortet der Designer: „Ich lasse mich vom Alltag und meinen Reisen inspirieren. Sei es ein Spaziergang auf Mallorca oder wenn ich mit „meinen 4 Damen“ den Wald unsicher mache. Und mein Garten ist pure Inspiration. Die Sonnen-Schattenspiele der Fauna haben mich zum Beispiel zu meiner Kollektion „Solysombra“ inspiriert.“

Einen freien Samstag bei Guido Maria Kretschmer darf man sich im Übrigen so vorstellen: Zunächst wird ausgeschlafen, dann mit den Lieben gemeinsam im Bett gefrühstückt und dann ein Spaziergang mit den Hunden gemacht. Danach geht es ab in den Garten, denn Guido liebt Gartenarbeit. Dabei darf es gerne etwas ruhiger sein. Das Gezwitscher der Vögel, das Rascheln von Laub und die Sonnenstrahlen im Gesicht seien Erholung pur, so Guido. Und abends wird gelesen bis die Augen zufallen. Es scheint also durchaus auch Momente des Müßiggangs im Jetsetter-Leben des Designers zu geben. 

Münster ist für ihn seine Heimat, die er noch regelmäßig besucht. Dort hat er seine ersten Kreationen geschaffen, und in Münster ist auch die Guido Maria Kretschmer Corporate Fashion ansässig. Auf die Frage, ob er häufig genug in seiner Heimatstadt Münster sei, um beurteilen zu können, wie man sich dort kleide, sagte er: Münster sei so wie „Hamburg light“. Es habe ein bisschen was Konservatives und Gemütliches und es gebe dort so einen Land-Look, bei dem er oft denke, dass die Leute mit Geld mit angezogener Handbremse kaufen: qualitativ sehr hochwertig, aber gern mal kariert. 

 

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