Bildschirmfoto_2015-08-10_um_22.19.38

TRENDGUIDE WIESN-INTERVIEW: Florian Wagner

Heimat neu entdecken ist das Motto des BR-Magazins „Heimatrauschen“. Moderator Florian Wagner präsentiert Menschen, Geschichten und Orte in Bayern, die Tradition und modernen Stil auf besondere Art verbinden. Wir trafen den Mann mit dem besonderen Erzählansatz und sprachen mit ihm über das Fest der Feste.

Herr Wagner, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Wiesnbesuch? 

Mein erster Wiesnbesuch war eher untypisch. Meine Großeltern wohnten in der Kazmairstraße oberhalb der Wiesn. Ich muss etwa fünf Jahre alt gewesen sein und mein Opa hat mich am ersten Tag nach Ende der Wiesn mitgenommen. Während die Schausteller mit dem Abbauen beschäftigt waren, haben wir unter der Achterbahn von den Fahrgästen verlorene Münzen aufgesammelt. 

Was hat Sie damals am meisten beeindruckt? 

Ich bin als Kind natürlich sehr beeindruckt von den vielen Fahrgeschäften gewesen. Hatte aber auch immer einen ordentlichen Respekt vor den Geisterbahnen. Da hab ich mich erst ganz spät reingetraut, war dann aber ganz schön enttäuscht, dass die Geister so schlecht aus Plastik zusammengeschustert waren. 

Wie sähe für Sie ein perfekter Bummel über die Wies’n aus? 

Am späten Vormittag eine Auszogne und ein Kaffee vor der Käferschänke im Stehen. Danach die Bavariastufen hinauf bummeln fürs obligatorische Wiesn-Panoramafoto. Vorbei am Vogeljakob und den Schiffschaukelbremsern in Richtung Riesenrad. Während einer Riesenradfahrt die neuen Fahrgeschäfte begutachten und merken, dass es langsam voll wird. Danach zielstrebig einen Biergartenplatz im Augustiner ergattern. Ein Hendl und ein Radler in der Sonne zum Mittag. Mit den Tischnachbarn nett ins Gespräch kommen. Danach frisch gestärkt und schweren Herzens den Platz aufgeben und in Richtung Krinoline ziehen. Krinoline fahren und an die Großeltern denken. Den Live-Musikern bei der Krinoline mehr Trinkgeld geben als die Fahrt gekostet hat. Den einsetzenden kurzen Regenschauer im Teufelsrad überbrücken und sich großartig amüsieren. Beim Verlassen des Teufelsrades merken, dass es gar nicht mehr regnet und eine ganze Stunde vergangen ist. Auf dem Weg zum Schichtl den aufkommenden Hunger mit einer Fischsemmel bekämpfen. Eigentlich nur beim Rekommandieren zuschauen wollen und dann doch wieder zum Schichtl reingehen. Nach dem Köpfen merken, dass der Hunger enorm ist. Rüber zur Ochsenbraterei gehen. Einen Platz ergattern. Ochsenfetzen und die erste Maß Bier. Sich mit wildfremden Menschen unterhalten, als würde man sich schon Jahre kennen. Nach ausgiebiger Verabschiedung in Richtung Oide Wiesn ziehen. Da noch eine Maß im Traditionszelt. Gehen, wenn es am schönsten ist. In Richtung Ausgang gebrannte Mandeln für daheim mitnehmen. Auf dem Weg zum Ausgang alte Freunde treffen und doch noch mal umdrehen, um „kurz“ mit ins Schottenhamel zu kommen. Die alten Freunde nach kurzer Zeit nicht mehr finden. Jetzt aber heimfahren. 

Was war Ihr schönstes oder kuriosestes Erlebnis in den letzten Jahren auf der Wiesn? 

Das für mich kurioseste Erlebnis in den letzten Jahren war, 2014 gemeinsam mit Christian Ude auf dem Teufelsrad zu fahren. Geplant war eigentlich nur ein Gespräch mit Herrn Ude im Rahmen eines Wiesnbummels für den BR. Wir saßen auf der Tribüne und schauten zu. Plötzlich schaut er mich an und sagt: „Herr Wagner, jetzt gehen wir auch aufs Teufelsrad“. Sekunden später halte ich mich am Oberschenkel vom Altbürgermeister fest. Ich bin trotzdem recht schnell runtergeflogen. Herr Ude hat sich länger drauf gehalten. 

Was ist Ihrer Meinung nach das Ausschlaggebende für den Erfolg der Wiesn? 

Die Wiesn ist immer noch ein Fest für alle Gesellschaftsschichten und Klassen. 

Ob Maurermontag oder Sixt-Damenwiesn, für jeden Anspruch ist was dabei. Leider immer weniger für jeden Geldbeutel. Das könnte am Ende dem Fest den Charme kosten. 

Was ist Ihr persönliches Lieblingszelt?

Da kann ich mich beim besten Willen nicht festlegen. Jedes Zelt hat seinen ganz eigenen Reiz. Ich weiß aber definitiv, dass es ein Zelt gibt, das ich nicht von innen sehen möchte: das kleine gelbe, das die Sanitäter über das Rollwagerl mit den Bierleiche spannen. 

Was muss man auf der Wiesn unbedingt mal erlebt haben?

Der Moment fünf Minuten vor Schluss am letzten Wiesntag. Wenn die Sternwerfer angezündet werden, sich die Menschen in den Armen liegen. Die Bierseligen ein Tränchen vergießen und die Bedienungen sich jubelnd in die Arme fallen. Irgendwie wunderschön. 

Was ist Ihr liebstes Wiesn-Schmankerl? 

Das ist an einem Steckerlfisch bei der Fischer Vroni kein Vorbeikommen. Ratschen und nebenbei auch noch das letzte Fitzerl Fisch heraussezieren, während man sich im Biergarten nett unterhält. Unbezahlbar. 

Was ist der größte Fauxpas, den man auf de Wiesn begehen kann?

Meiner Meinung nach ist das Tragen von Plastik-Trachten, die mehr nach Dornröschen als nach sonst was ausschauen, wirklick peinlich. Irgendjemand muss den Touristen doch mal sagen, das sie da echt verarscht werden. So etwas in der Öffentlichkeit anzuziehen ist echt der größte Fauxpas – dann lieber nackert.

Was wollten Sie auf der Wiesn immer schon mal tun? 

Mein Traum wäre es, ein mal den Rekommandeur im Teufelsrad zu machen.

Leserwertungen

Tg_comments_butterflyTg_comments_butterflyTg_comments_butterflyTg_comments_butterflyTg_comments_butterfly

Eine Bewertung schreiben

Vergeben Sie Ihre Schmetterlinge (Pflichtfeld)

Verfassen Sie ein Kommentar.

Sie können ihrem Kommentar ein Bild anhängen
Ich akzeptiere die AGB

NEWS FEED

jetzt online blättern

Bildschirmfoto_2015-08-10_um_21.25.19
WetterOnline
Das Wetter für
München